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Flimmerfreiheit

 

Die Einnahme von Schmerzmitteln verstärkt die Wahrnehmung des Flimmerns im Licht, und manchmal können auch Epilepsiepatienten in Resonanz mit pulsierendem Licht kommen.

 

Naturlicht flimmert nicht, aber jede Lichtquelle, die nicht an reinen Gleichstrom angeschlossen ist, sondern mit gepulstem Gleichstrom oder Wechselstrom betrieben wird, flackert. 

 

In unserer Wahrnehmung erscheint jegliches Flackern oberhalb der "Flimmerverschmelzungsfrequenz" von etwa 30 Hertz als Kontinuum, aber nur aus folgendem Grund: Unser Gehirn erstellt aus dem ständigen Wechsel von Bild und Dunkelheit, den das Auge wahrnimmt, ein kontinuierliches Bild. Dieser Vorgang strengt unseren Organismus messbar an und verbraucht Energie, die Patienten jedoch für ihre Regeneration benötigen.

Alle LEDs flimmern, wenn sie mit der marktüblichen Pulsweitenmodulation gedimmt werden, da sie in ein schnelles Blinken oberhalb dieser Flimmerverschmelzungsfrequenz versetzt werden. 

Man wird in sensiblen Bereichen wie einer Intensivstation dieses Blinken entweder durch die etwas aufwändigere analoge Dimmung zur Gänze umgehen, durch geeignete Vorschaltgeräte stark reduzieren, oder auch immens beschleunigen, auf mindestens 10 000 Hertz, was einer kontinuierlichen Wahrnehmung sehr nahe kommt. 

Geeignete Lichtquellen 

 

Laut aktuell gültiger EU Norm sind für Intensivstationen und Aufwachräume sowie für Untersuchungs- und Behandlungsräume generell nur Lichtquellen mit einem Farbwiedergabewert von mindestens Ra 90 zulässig: Das heißt, daß seine Zusammensetzung zu mindestens 90% jener des sichtbaren Anteils des Naturlichts gleicht. 

(Die Nähe zum Naturlicht ist ein Hauptkriterium für die gesundheitsfördernde Wirkung von Kunstlicht.)

 

Viele Medikamente wirken photosensibilisierend, die Energie des Lichts wird vom Patienten überdeutlich verspürt. Daher ist der Einsatz von Lichtquellen mit zu hohem Blauanteil zu vermeiden, denn das blaue Ende des Spektrums sichtbaren Lichts ist etwa doppelt so energiereich ist wie dessen rotes Ende. 

 

Da das Licht von Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen immer aus Ultraviolett - also vom extremen Blauende des Spektrums her - konvertiert wird, fällt es - auch wenn es warmweiß gefärbt wird - in diese Kategorie. Zudem ist immer Quecksilber der Hauptleuchtstoff, es wird also ein schweres Nervengift durch elektrische Spannung aktiviert, und die energetischen Auswirkungen dieses Vorgangs sind noch recht fragmentarisch erforscht. 

 

In Intensivstationen stehen uns eigentlich nur LEDs als energiesparende, also wenig Wärme erzeugende, vergleichsweise ungiftige und sehr langlebige Hauptlichtquelle zur Verfügung. 

Gewöhnliche weiße LEDs - sowie auch Leuchtstoffröhren - emittieren keine Strahlung am roten Ende des Spektrums, oberhalb von 630 Nanometer. Doch das in diesem Bereich angesiedelte Nahinfrarot wirkt anregend auf die Zellen, und ist auch wundheilungsfördernd. Im Speziellen geht es um die Wellenlängen von 670, 750 und 820 Nm. Für eine optimale Lösung muss dieser Anteil zusätzlich mittels dunkelroter und Infrarot- LEDs ergänzt werden.

Alternativ ist der Einsatz von gleichstrombetriebenem Halogenlicht überlegenswert: Es enthält all diese wichtigen Infrarot- und Rot-Anteile und läuft in der Dimmung vollautomatisch der "Plankschen Komfortkurve" des Naturlichts entlang. Allerdings kann es den kühlen Anteil des Tageslichts nicht ausstrahlen, ergänzt sich aber diesbezüglich ideal mit den Spektren kalttöniger LEDs. Diese wiederum sollten kein Licht kühler als 6000° Kelvin emittieren, da dann wieder das energiereichere Blau verstärkt ins Spiel kommt. 

Der Wirkungsgrad (=Energieeffizienz) von Halogen-IRC Long Life Birnen liegt bei etwa 15%, der von farbechten LEDs und ebensolchen von Leuchtstofflampen bei maximal 30%. Jedes dieser technischen Leuchtmittel verursacht demzufolge 70 bis 85% an Wärme im Betrieb.

 

(Anmerkung: Aus Gründen der Lärmbelästigung und Hygiene dürfen keine Leuchten mit eingebautem Kühlungsventilator verwendet werden.)

Blendungsbegrenzung

 

Die gesamte Beleuchtungsplanung ist aus der Position des liegenden Patienten genau zu überprüfen:

Direktblendung durch Lichtquellen innerhalb seines Sehfeldes (auch aus Not- und Sicherheitsleuchten) sowie Kontrastblendung an den Kanten zwischen deckenbündig eingebauten Leuchten und unbeleuchteter Decke, beziehungsweise zwischen der Fensterumgrenzung und der Wand, sind den photosensibilisierten Patienten so weitgehend wie irgend möglich zu ersparen.

 

 

Untersuchungslicht

 

Kurzzeitig werden Leuchten mit eher punktartiger Abstrahlungscharakteristik für ärztliche Untersuchungen am Einzelpatienten eingesetzt. Auch hier ist Halogenglühlicht zu bevorzugen, teils wegen der hohen Farbwiedergabe speziell der Hautfarbe (=Ra 100), teils zur Minderung der Auskühlung von bewegungslos und teilweise entblößt daliegenden Patienten.

Circadianer Rythmus

 

Da Intensivpatienten häufig den Anschluss an den Tag-Nacht-Rythmus verlieren, kann ihnen eine technische Beleuchtung, die diesen mitvollzieht, ermöglichen, sich daran zu orientieren. Am leichesten zu realisieren ist dies durch eine automatische Tageslichtsimulation, die morgens warmtönig, mittags kühltönig und abends tief warmtönig leuchtet. Diese kann vom Personal kurzfristig manuell verändert werden, synchronisiert sich aber mittelfristig immer wieder mit dem Außenlicht. Die Nacht wird möglichst lichtschwach und ausschliesslich warmtönig überbrückt, da dies melatoninfördernd und damit schlaffördernd wirkt. (Melatonin ist das "Schlafhormon".) 

Eine zu große Nachthelligkeit stört die Ruhe der Patienten genau zu der Zeit, wo sich der Körper auf natürliche Weise regeneriert und wieder zu Kräften kommt. Helligkeit signalisiert dem Organismus, es werde bereits wieder Tag. Eine zu geringe Nachthelligkeit wiederum behindert die Beobachtung seines Zustandes, und macht es für das Personal schwer, selbst wach zu bleiben. Die situationsgerechte manuelle Feineinstellung erfolgt daher am besten durch die im Raum anwesenden Betreuer.

 

Für den Tagbetrieb sind auch "Solatubes" zu empfehlen, das sind hochglänzend innenverspiegelte Rohre die Tageslicht von außen durch die Decke in den Raum lenken. Das durch Solatubes oder Fensteröffnungen einfallende Naturlicht ist physiologisch unersetzlich, da es reichhaltiger ist als jedes Kunstlicht. Unter anderem wirkt es seratoninbildend (Seratonin ist das `Wachhormon´).

Farben

 

Farbflächen stellen für Menschen emotionale Ankerpunkte dar. In Räumen, in denen derart extreme Grenzsituationen durchlebt werden, ist die Präsenz von Farbe unerlässlich. Da unterschiedliche Menschen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Farben für ihre persönliche Balance benötigen, ist die variable Farblichtanwendung einer starren Wand- und Deckenbemalung vorzuziehen.

Dafür bewährt sich die wahlweise kollektiv oder individuell einstellbare RGBA-Farblicht-Projektion:

Der Gelbpunkt (=Ort der Gelbwahrnehmung) ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Da die Hauptfarbe Gelb in der üblichen Rot/Grün/Blau Farbmischung (RGB) nicht genügend breitbandig dargestellt wird empfiehlt sich deren Ergänzung durch gelbe ("amber") Dioden zur Rot/Grün/Blau/Amber Mischung (RGBA).

 

 

 

(Die enthaltenenen wissenschaftlichen Informationen wurden in dankenswerter Weise von Alexander Wunsch, Lichtbiologe, Arzt und Farblichttherapeut in Heidelberg, zur Verfügung gestellt.)