Findedichblog

Schneeschuhwandern - Basis Know How

 

 

 

Auf Schneeschuhen in die Natur zu gehen ist eine schnelle Möglichkeit, den Alltagstrott und die schlechte Luft hinter sich zu lassen. Für uns Städter ist Stille nur noch ein Wort, doch da draussen ruht die winterliche Natur komplett. Wir brauchen dieses Erlebnis gelegentlich, um uns selbst wieder ganz spüren zu können.

 

 

 

Einstieg

 

Du kannst dir Schneeschuhe mittlerweile beinahe überall wo Schnee liegt ausleihen, und sofort loslegen. Gelernt ists in fünf Minuten, und wenn du dir kein besonderes Ziel steckst, befindest du dich schneller erwartet im Erleben des Jetzt. Alternativ kannst du auch hier oder anderswo eine geführte Tour buchen: findedich.at/fileadmin/user_upload/Schneeschuhauszeit_3-18.pdf

 

 

 

Tourenplanung

 

Es gibt Schneeschuhführer und unzählige Schitourenführer in Buch- und Ringbuchform sowie etliche Tourenforen im Web (Suchanfrage: schneeschuh touren). Sie enthalten alle wichtigen Informationen.

Zu berücksichtigen ist, dass man mit Schneeschuhen bei gleicher Anstrengung und Zeitdauer nur etwa 2/3 des Bewegungsradius eines Schitourengehers hat. Das flotte Gleiten der Felle und des Schibelags fallen nämlich weg, und das ist angesichts der Kürze unserer Wintertage durchaus spürbar. Dafür ist man mit deutlich weniger Gewicht, spielerischer und sicherer unterwegs.

 

 

 

Thema Lawinen

 

Mit steigender Hangneigung werden Lawinen ein Thema. Sie sind heimtückisch da im Vorfeld oft schwer zu erkennen. Vor jeder Tour schaue ich unter lawine.at nach, wie es gerade steht. Meines Erachtens sollte man höchstens bei der geringsten Lawinenwarnstufe 1 ohne Sicherheitsausrüstung (Pieps, Sonde, Schaufel) unterwegs sein, und nur wenn man die im Lawinenbericht bezeichneten Gefahrenstellen konsequent meidet. Im Ernstfall ist die Rettung durch Kollegen, die den Umgang mit dieser Sicherheitsausrüstung geübt haben, die einzige realistische Überlebenschance. Statistisch gesehen lebt man in einer Lawine verschüttet meist nur noch eine Viertelstunde. Andrerseits besteht heutzutage auf stark frequentierten Touren wenig Gefahr, die häufigste Lawinenart, nämlich ein "Schneebrett", selbst auszulösen. Es wäre höchstwahrscheinlich bereits unter denjenigen abgegangen, die die gefährdete Stelle vor dir begangen haben. In Summe ist das Thema jedoch komplex, und ein langsames Herantasten in erfahrener Begleitung empfehlenswert.

 

 

 

Material

 

Wer bei niedrigen Temperaturen nicht leiden will, sollte vorsorgen. Umso weiter du dich vom Gasthaus wegbewegst, desto zuverlässiger sollte deine Ausrüstung sein:

 

Schneeschuhe

Es gibt viele günstige Modelle, die für das Gehen im flachen Gelände meist ausreichen. Für steileres alpines Gelände bevorzuge ich Schneeschuhe mit "Biss", die präzisen Halt auf Schnee und Eis bieten und nicht unerwartet wegrutschen, wie etwa die besseren Modelle von MSR oder Tubbs. Sie haben unten meist sägeförmige Zackenbänder aus Metall, die allerdings im flachen Gelände etwas bremsen.

 

Stöcke

Teleskopstöcke - in der Länge an die Schneetiefe anpassbar - sind Standard. Aussenliegende Hebelverschlüsse sind zuverlässiger, und die Teller sollten nicht zu klein sein, auch wenns schicker aussieht.

 

Schuhe

Am besten leichtgewichtig, gut gefüttert und mindestens eine Nummer zu groß, sodass man den entstehenden Zwischenraum zusätzlich mit Wollsocken füllen kann. Ab etwa 20 cm Schafthöhe kann man in der Praxis meist auf das umständliche Anlegen von Gamaschen verzichten, da selten Schnee von oben bis in den Schuh hineinkommt.

Hosen 

Bequem, lang, elastisch und vor allem winddicht. Die Isolierwirkung kann auch durch ein oder zwei Schichten Unterwäsche aus Merinowolle oder Kunststoff erreicht werden. Wattierte Schihosen sind gegen das Frühjahr hin zu warm. Merinowolle wärmt auch wenn sie nass ist da in den Fasern Millionen winziger Luftbläschen eingeschlossen sind. Ausserdem neutralisiert sie im Gegensatz zum Kunststoff den Schweissgeruch.

 

Oberbekleidung 

halten den Bereich rund um die Organe warm. Eine wasserdichte Gore-Jacke wird im Winter selten wirklich gebraucht. Es geht um maximale Winddichte bei exzellenter Luftdurchlässigkeit. Meist genügt eine windabweisende Kunststoffschicht mit Zipp-Rollkragen über einer dünnen Merinoschicht für den Aufstieg. Zur Gipfelrast und eventuell beim Abstieg ist dann eine winddichte leichte Daunenjacke unschlagbar. Spätestens bei zweistelligen Minustemperaturen kommen noch weitere Daunenschichten dazu. Solange man in Bewegung ist, spürt man die Kälte weniger, sobald man aus welchem Grund auch immer festsitzt, ist man heilfroh, noch eine warme Reserveschicht aus dem Rucksack ziehen zu können. Daunen haben bei weitem das beste Verhältnis aus Gewicht, Packmass, und Isolierwirkung, sind aber recht nässeempfindlich.

 

Handschuhe 

In jedem Fall mindestens zweischichtig, innen als Fingerhandschuhe zum feinfühligen Hantieren im eiskalten Gipfelwind, aussen als winddichter Fäustling. Natürlich sollte gerade in Handschuhen ein Wollfutter zu finden sein.

 

Haube

 Über den Kopf verlieren wir am meisten Wärme, und daher können wir hier durch ein Spiel mit mehreren dünnen Isolierschichten den Temperaturausgleich des ganzen Körpers beeinflussen. Bei starkem Wind und großer Kälte ist eine Sturmhaube, aus der nur noch die Augen rausschauen, sehr hilfreich. Brillen laufen dann allerdings gerne an. Gegen durchdringenden Wind ist Windstoppermaterial oder eine gute Kapuze am wirksamsten. Nordische Kapuzen gibt es auch in genialer "Windshield" Ausführung, bei der eine Art Stehkragen oder Pelzbesatz das freiliegende Gesicht umringt sodass davor ein schützender Luftpolster entsteht.

 

 

Zusätzliches Material im steilen alpinen Gelände:

 

Rucksack 25 - 35 Liter,

Pieps, Sonde, Lawinenschaufel,

Sonnenbrille seitlich geschlossen,

Sonnencreme, Lippenschutz, (Blasen)pflaster,

Jause, heisses Getränk,

wärmende Reservekleidung,

Stirnlampe, leichter Biwaksack,

Karte, Kompass und/oder GPS,

wenn vorhanden Smartphone mit vollem Akku

und daraufgespielter Alpenvereins-App (gratis).